Leseprobe

Werner Hüper

       


In der Warteschlange


   Wer kennt die Situation nicht?  An der Kasse  im Supermarkt  bilden sich lange Schlangen.  Naheliegend wäre es, einfach eine weitere Kasse zu öffnen? Weit gefehlt. Dafür, dass heute mit den Sonderangeboten wieder alle Rekorde geschlagen werden und der örtliche Konkurrent deutlich unterboten werden kann, muss eben am Personal gespart werden. Als Kunde hat man nun mehrere Möglichkeiten.

 

1. Man ärgert sich, beschließt beim nächsten Einkauf zum Wettbewerb zu wechseln, um dort das gleiche Prozedere zu erleben.

 

2. Man ärgert sich, beschwert sich, und erreicht, dass nach geraumer  Zeit eine weitere Kasse geöffnet wird. Von dieser Maßnahme profitieren leider nur andere Kunden, selbst hat man sich in einer der Warteschlangen bereits soweit vorgewartet, dass ein Wechsel zur neu eröffneten Kasse nicht mehr lohnt.

 

3. Man unternimmt nichts, ärgert sich aber trotzdem und erkennt, dass man wie immer die falsche Schlange gewählt hat.

 

   Es ist ein leider noch nicht erforschtes Phänomen: Egal welche Warteschlange man wählt, man  landet  in der Reihe mit der längsten Wartezeit. Irgendetwas ist ja immer:  Die Dame, die mit  EC-Karte bezahlen will, hat ihre Pin vergessen.  Ein Artikel ist nicht richtig ausgezeichnet und kann nicht eingescannt werden. Der Marktleiter wird gerufen.  Egal wie, es dauert. Gleichzeitig geht es in der anderen Schlange zügig voran. Und der Typ, der sich an der Fleischtheke vorgedrängelt hat, ist wieder im Vorteil. Einkauf im Supermarkt kann ja so frustrierend sein!

 

   Nun ist es ja keineswegs so, dass vergleichbare  Erschwernisse nicht auch in anderen Lebensbereichen anzutreffen wären. Wer kennt nicht die Qual der Wahl, wenn es bei einem auf der Autobahn angekündigten Stau darum geht, die richtige Spur zu wählen. Natürlich gibt es klare Regeln, wie es bei einer Verengung der Fahrbahn von z.B. drei auf zwei Spuren zuzugehen hat.  Leider sind diese Regeln graue Theorie. Es wird gedrängelt und rücksichtslos auf Vorfahrt gepocht. Die Folge: Man steht meistens in der falschen Spur, nebenan geht es schneller.

 

   Vielleicht bietet sich für die nächste Fahrt die Bahn als Alternative an. Da gibt es  keine „Konkurrenzspur“ und man kann sicher sein, dass man zu spät ankommt.

 

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