Leseprobe

Werner Hüper

 

 

 

Heisser Sex und Tiefkühlkost

 

 

Leseprobe:

 

 

2

 

Maria Wenninger hatte ihr Leben inzwischen perfekt organisiert. Es war ihr gelungen, ihrem Alfons klarzumachen, dass sie keineswegs das vor kurzem bezogene Haus allein pflegen könne. Es müsse unbedingt eine Haushaltshilfe zu ihrer Unterstützung engagiert werden. Alfons hatte gleich zugestimmt, weil ihm das ziemlich egal war und er überhaupt keine Gedanken auf derlei Belanglosigkeiten verschwenden wollte. Ihm war sein beruflicher Erfolg wichtig, alles andere war zweitrangig.

 

Maria hatte ihren Wunsch nach häuslicher Unterstützung noch mit der Bemerkung ergänzt, sie selbst würde sich natürlich um die Küche, Einkäufe und damit um sein leibliches Wohl kümmern. Die neue Haushaltshilfe solle lediglich den wöchentlichen Hausputz und die Wäsche übernehmen. Maria dachte, so würde sie genügend zeitlichen Spielraum gewinnen, um uneingeschränkt ihren persönlichen Neigungen nachgehen zu können. Der Hinweis auf die Küche war allerdings nur taktischer Art. Aufwendige Koch- und Backaktionen hatte sie längst zugunsten ihrer dominierenden Leidenschaft geopfert.

 

Mit der Zeit war sie auch deutlich mutiger geworden, wenn es um ihr Outfit ging. Sie bevorzugte kurze Röcke, durch die ihre gut gewachsenen Beine besonders zur Geltung kamen. Ansonsten kamen nur hautenge Oberteile zum Einsatz, möglichst tief ausgeschnitten, mit denen sie ungeniert und aufreizend ihren Busen zur Schau stellen konnte.

 

Maria saß gerade an ihrem Computer und checkte Zuschriften, die sie in letzter Zeit häufiger über ein Internetportal erreichten, auf dem sie sich zum Zweck der Partnersuche hatte registrieren lassen. Plötzlich klingelte es. Vor der Tür stand ein sympathischer junger Mann.

 

„Grüß Gott, ich bin von der Firma ‚frost & lecker‘ und möchte Ihnen unser Programm vorstellen. Wir würden Sie gerne mit Tiefkühlkost beliefern. Darf ich Ihnen einen Katalog überreichen?“

 

Er sah gepflegt aus, hatte eine sehr sportliche Figur und sein 3-Tage-Bart passte ausgezeichnet zu ihm. Maria schätze ihn auf Mitte zwanzig. Sie musterte ihn einen Moment und dachte spontan, dass der Kerl sicher interessanter für sie sein könnte als die von ihm angebotene Tiefkühlkost. Mit einem hintergründigen Lächeln fragte sie ihn etwas zu anzüglich: “Was haben Sie denn so zu bieten?“

 

„Wir sind der Marktführer für Tiefkühlkost und haben eine Niederlassung in Rosenheim, von wo wir Sie alle zwei Wochen zuverlässig bedienen können.“ Auf die offensichtliche Anmache von Maria reagierte er nicht.

 

Maria wollte jedoch nicht so schnell aufgeben, denn der junge Mann interessierte sie schon sehr. Deshalb schlug sie vor: „Kommen Sie doch herein, dann kann ich mich von Ihren Vorzügen überzeugen.“ Sie nahm sich vor, mit ihm zu flirten. Vielleicht bot sich ja die Chance auf ein prickelndes Abenteuer mit ihm.

 

Der junge Mann hatte die Zweideutigkeit ihrer Einladung offensichtlich nicht verstanden, denn mit den Worten: „Ja gerne, Sie werden erstaunt sein, wie umfangreich das Angebot ist“, betrat er das Haus und folgte Maria ins Wohnzimmer. Sie bat ihn, auf der Couch Platz zu nehmen und setzte sich neben ihn, nicht ohne darauf zu achten, dass ihr ohnehin kurzer Rock ziemlich weit nach oben rutschte und den Blick auf ihre knackigen Oberschenkel freigab.

 

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23

 

Jetzt stand die Befragung der übrigen Mitarbeiter an. Reischl dachte sich, dass es sicher irgendwelche Hinweise geben würde, die zur Aufklärung beitragen könnten. Gab es Konflikte in der Firma, in die Martin Seidl verwickelt war oder steckte er vielleicht in anderen Schwierigkeiten, über die man etwas erfahren konnte?

 

Nachdem die Unterhaltung mit dem hochnäsigen Chef so überaus ergebnislos verlaufen war, wurden Reischl und Marion jetzt bei der Sekretärin Bärbel Winter vorstellig. Ob man ihr ein paar Fragen stellen könne? Selbstverständlich, gerne, aber sie wisse eigentlich gar nichts und könne wohl kaum Hinweise geben, die der Ermittlung dienlich sein könnten.

Damit gaben sich die Herrschaften von der Kripo natürlich nicht zufrieden und nahmen deshalb das Angebot, Platz zu nehmen, gerne an. Bevor Reischl die erste Frage stellen konnte, wurde die Tür zum Chefzimmer geöffnet und Lüneburg stand im Türrahmen.

 

„Ach, ist die Kripo immer noch im Haus? Was gibt es denn noch zu klären?“

Mit diesen Worten setzte er sich unaufgefordert zu den anderen an den kleinen Besprechungstisch, auf den Bärbel Winter seinerzeit bestanden hatte, nachdem sie immer häufiger auch Gäste und Mitarbeiter zu empfangen und zunehmend Aufgaben ihres Chefs zu erledigen hatte.

 

Reischl fand den Auftritt Lüneburgs frech und gedachte keineswegs das aus seiner Sicht flegelhafte Benehmen dieses ‚Möchtegernchefs‘ unwider-sprochen hinzunehmen.

 

In einem Tonfall, der an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließ, klärte Reischl auf:

„Herr Lüneburg, grundsätzlich entscheiden wir selbst, wer an welchem Gespräch teilnimmt. Sie an diesem jedenfalls nicht! Sie stellen uns ab sofort ein Besprechungszimmer zur Verfügung, in dem wir vertraulich und ungestört Gespräche führen können. Wenn nicht, wird die gesamte Belegschaft einzeln im Präsidium erscheinen. Was das für ‘frost & lecker’ bedeutet, muss ich Ihnen wohl nicht erklären. Ganz abgesehen von der Presse, die das entsprechend kommentieren wird. Und wenn Sie zur Sache noch etwas auszusagen haben, melden Sie sich ebenfalls auf dem Präsidium. War das deutlich genug?“

 

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